KSK Auswahlverfahren: Der komplette Ablauf
Vom Bewerbungsantrag bis zur Härtewoche: So läuft das Potenzialfeststellungsverfahren des Kommandos Spezialkräfte ab. Mit allen offiziellen Werten und der Einordnung eines ehemaligen KSK-Kommandosoldaten.
Der Ablauf auf einen Blick
Von der Bewerbung bis zur fertigen Kommandoausbildung: acht Stationen, die jeder Bewerber in dieser Reihenfolge durchläuft.
- 01
Voraussetzungen & Bewerbung
Antrag über den Personalfeldwebel
- 02
Einladung
Infos vom Personalwerbetrupp KSK
- 03
Phase 0
Pflicht-Infoveranstaltung mit ersten Testungen zum Trainingszustand
- 04
Phase 1
Eine Woche Sport, Koordination und CAT-Test
- 05
8-Wochen-Programm
Infanteristische Grundlagen, Vorbereitung auf Phase 2
- 06
Phase 2
Härtewoche
- 07
Phase 3
Nur für Offiziere
- 08
Ausbildung
Zwei Jahre Kommandoausbildung
Voraussetzungen und Bewerbung
Bewerben können sich Soldaten aller Teilstreitkräfte. Wer noch Zivilist ist, tritt zuerst in eine Laufbahn der Bundeswehr ein. Erfahrung in der Infanterie wird empfohlen, ist aber keine Pflicht.
| Dienstgradgruppe | Voraussetzung |
|---|---|
| Mannschaften und Unteroffiziere ohne Portepee | bis 32 Jahre, mind. 2 Dienstjahre |
| Unteroffiziere mit Portepee | bis 35 Jahre |
| Offiziere | vom Leutnant bis Hauptmann (A11) |
Außerdem erforderlich
- Einzelkämpfertauglichkeit
- Fallschirmsprungtauglichkeit und Sprungbereitschaft
- Tauglichkeit für Fast Roping und Speed Rappelling
- Belastungs-EKG
- Sicherheitsüberprüfung (SÜ1 abgeschlossen, SÜ2 eingeleitet)
Empfohlenes Leistungsniveau (offiziell)
- 5000 m unter 22:00 min
- 10 Klimmzüge
- Sportabzeichen Gold
- Rettungsschwimmer Silber
Die Informationsveranstaltung
Phase 0 ist eine verpflichtende Informationsveranstaltung. Du erhältst dort alle aktuellen Infos zu den Ausrüstungsvoraussetzungen und absolvierst vor Ort schon erste Testungen zur Überprüfung deines Trainingszustands. Was genau geprüft wird, variiert erfahrungsgemäß etwas.
Mögliche Testungen
- Eilmarsch
- Schwimmen
- 2 × 1000 m: der erste in 4:20 min, der zweite so schnell wie möglich
- Maximale Anzahl Klimmzüge oder Dips
- Zirkeltraining mit Nahkampfanteilen
Deine Einschätzung
- Grün
- Orange
- Rot
Für jede Disziplin bekommst du eine Einschätzung in Grün, Orange oder Rot. Der Sportlehrer gibt dir eine Trainingsempfehlung und sagt dir, ob dein Stand für Phase 1 reicht.
Unsere Empfehlung
Zeigt Phase 0 noch größere Defizite, schieb Phase 1 nach hinten. Es ergibt keinen Sinn, nicht optimal vorbereitet zu starten. Ein Beispiel: Brauchst du für einen einzelnen 1000-m-Lauf schon 3:50 bis 3:55 min, wirst du beim Intervalltest 5 × 1000 m in den nächsten 12 Wochen kaum die Zeit im letzten Lauf halten.
Sport, Koordination und CAT-Test
Phase 1 dauert eine Woche. Sie kombiniert sportliche Tests mit dem computergestützten CAT-Test. Für Offiziere gelten dort höhere Anforderungen.
| Station | Mindestanforderung |
|---|---|
| Intervalltest 5 × 1000 m, je 3 min Pause | 4:30 / 4:20 / 4:10 / 4:00 / 3:50 min |
| Psychomotorische Testung: Koordinationsbahn | max. 2:00 min |
| Klimmzüge (Ristgriff, aus dem Hang) | mind. 7 |
| Sit-ups | mind. 20 in 30 s |
| Liegestütze (Hände vom Boden lösen) | mind. 22 in 30 s |
| Sparring (Boxen), zum Abschluss | 2 min |
| CAT-Test (computergestützt) | fließt ins Ranking |
| Schwimmen 200 m im Kampfanzug, inkl. Entkleiden im Wasser | max. 7:30 min |
| Marsch 20 km mit 20 kg, welliges Gelände | max. 3:30 h |
Quelle: Bundeswehr, Stand Juli 2026.
Psychomotorische Testung
Zuerst die Koordinationsbahn mit Gleichgewicht, Geschicklichkeit, Aufmerksamkeit und Koordination. Danach folgen Verwundetentransport, Klimmzüge, Bauchaufzüge, Liegestütze und zum Abschluss Sparring.
Aufgaben zwischendurch
Zwischen den Stationen können kleine Aufgaben auf dich warten, zum Beispiel dir etwas merken oder einen Knoten nachbinden. Was genau kommt, variiert. Du brauchst also auch unter Belastung noch freie Kapazität im Kopf.
So wird bewertet
Jede Station wird einzeln gewertet: Je besser deine Leistung, desto mehr Punkte. Daraus ergibt sich dein Gesamtergebnis im Ranking. Einzige Ausnahme ist der Intervalltest, dort gilt nur bestanden oder nicht bestanden. Bei mehr Bestandenen als Ausbildungsplätzen kommen nur die Besten weiter.
Wo solltest du stehen?
Das Minimum ist nur das Minimum. Mit diesen Werten gehst du mit Reserve in Phase 1.
| Disziplin | Offizielles Minimum | Unsere Empfehlung |
|---|---|---|
| 1000 m einzeln auf Zeit | letzter Intervall 3:50 min | unter 3:35 min |
| 5000 m | empfohlen unter 22:00 min | unter 21:00 min (ca. 3000 m im Cooper-Test) |
| Klimmzüge | 7 | mind. 10 |
| Sit-ups in 30 s | 20 | 25 |
| Liegestütze in 30 s | 22 | 30 |
| Marsch 20 km mit 20 kg | max. 3:30 h | im Training Richtung 2:30 h |
Diese Empfehlungen beruhen auf den Erfahrungswerten unserer Athleten, die in den letzten Jahren am Auswahlverfahren teilgenommen haben. Dadurch können wir die Leistungsdichte vor Ort gut einschätzen.
Dein Warum steht? Dann lass uns an der Vorbereitung arbeiten.
Das 8-Wochen-Programm
Zwischen Phase 1 und Phase 2 liegt ein 8-Wochen-Programm. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass der Ausbildungsstand vieler Soldaten für die Kommandoausbildung zu gering war. Deshalb werden hier infanteristische Grundlagen vermittelt und vertieft.
Die Härtewoche
Die Härtewoche dauert eine Woche und findet zweimal im Jahr statt, etwa im April und Oktober. Los geht es am Montagmorgen.
Was dich erwartet
- Hohe Marschbelastung: 120 bis 140 km mit klassischem Marschgepäck
- Orientierungsmarsch
- Situationstraining: Entscheiden, handeln, reagieren
- Spezielle Hindernisbahn
- Röhrensystem: Bereite dich auf Dunkelheit und enge Räume vor
- Gruppenaufgaben wie Verwundetentransport oder Baumstamm tragen
Unsere Einordnung
Verlass dich nicht auf das, was du mal bei irgendjemandem gehört hast. Die Stationen werden flexibel gehandhabt und ändern sich. Ausbilder und Psychologen bewerten rund um die Uhr Leistung, Durchhaltevermögen und mentale Belastbarkeit. Am Ende geht es darum, durchzuhalten.
Nur für Offiziere
Offiziere durchlaufen direkt im Anschluss eine weitere Phase von etwa drei Tagen. Geprüft wird die Entscheidungsfindung unter starker Vorbelastung. Es geht um die Frage, ob der Offizier charakterlich gefestigt genug ist, um Kommandooffizier zu werden.
Danach: Wer besteht, beginnt die zweijährige Kommandoausbildung.
Die häufigsten Fehler
Falsche Erwartungshaltung
Viele schätzen die Belastung falsch ein. Sie glauben, ihr gewachsen zu sein, haben sich aber nicht gut genug vorbereitet.
Zu spät angefangen
Das Verfahren erstreckt sich über viele Wochen mit hoher Belastung. Wer zu spät anfängt, hat kein Fundament, das dieses Niveau auf Dauer trägt.
Nur aufs Minimum trainiert
Oft fehlen Marschtraining, mentale Belastbarkeit, Orientierung, Leben im Felde und Infanteriefertigkeiten. Wer hier nicht sicher ist, verliert in der Härtewoche Kraft und Energie.
Überlastung und Verletzungen
Viele Ausfälle wären mit kluger Belastungssteuerung vermeidbar gewesen.
So bereiten wir unsere Athleten vor
Kraftfundament
Zuerst ein starkes Fundament in Unterkörper und Rumpf, damit du mit Gepäck in welligem Gelände sicher bestehst.
Belastbarkeit
Wir steigern Lauf- und Marschvolumen kontrolliert und Schritt für Schritt. So wird dein Körper belastbar, ohne dass er überlastet.
Spezifisch werden
In den letzten 6 Monaten vor Phase 1 trainieren wir gezielt die geforderten Disziplinen. Das Fundament wächst weiter mit.
Mindset
In vielen Gesprächen schärfen wir dein Mindset und klären dein Warum. Selbstreflexion gehört dazu.
Die Entscheidung fällt lange vor der Härtewoche.
Das Potenzialfeststellungsverfahren des KSK ist eines der herausforderndsten und komplexesten Auswahlverfahren, die es gibt. In Phase 1 werden die sportliche Leistungsfähigkeit und mit dem CAT-Test auch Intelligenz und Konzentrationsfähigkeit geprüft. In Phase 2 geht es um Durchhaltefähigkeit: wenig Schlaf, hohe Belastung, viele Kilometer, kaum Ruhephasen und viel Zeit allein mit den eigenen Gedanken. Du brauchst einen starken Geist und einen belastbaren Körper.
Wer besteht, entscheidet sich nicht erst im Auswahlverfahren, sondern viel früher. Es beginnt mit der Entscheidung, dorthin zu wollen, mit der Frage nach dem Warum und mit der Vorbereitung. Und die dauert nicht 4 bis 6 Monate, sondern 12, 24 oder 36 Monate, in denen du dieses Ziel fest im Blick behältst.
Wer sein Warum beantworten kann und seine Vorbereitung konsequent durchzieht, der kommt durch. Wer aus einem Impuls heraus denkt „Ich glaube, ich werde Kommandosoldat“, zieht spätestens in Phase 2 die Karte.
Mein Rat: Sei dir klar, warum du es willst. Du wirst an den Punkt kommen, an dem du dich fragst: Warum mache ich das eigentlich? Schaffe ich das noch? Wer diese Fragen vorher für sich beantwortet hat, ist klar im Vorteil. Nimm teil, um zu bestehen, nicht um teilzunehmen.
2016 bin ich durch die damalige Höllenwoche gegangen, ein noch etwas anderes Auswahlverfahren als heute. Es gab dunkle Stunden: um 3 oder 4 Uhr morgens am dritten Tag, mit 150 Kilometern in den Beinen, in Stille den Schwarzwald hoch und runter. Ich bin dankbar für genau diese Stunden und froh, dass ich meine Gedanken unter Kontrolle hatte.
Jede Entbehrung, jeder Marsch, jede Trainingseinheit war es zu 100 % wert. Ich würde es genauso wieder machen. Das Privileg, mit Männern zu arbeiten, die genauso entschlossen waren und einfach Vollgas geben wollen: Das ist es.
Dean McComiskeyGründer von Greenlight Fitness, ehemaliger KSK-Kommandosoldat
Häufige Fragen zum KSK-Auswahlverfahren
Das könnte dich auch interessieren
Greenlight Fitness
Greenlight Fitness ist Online-Coaching für Einsatzkräfte, gegründet von einem ehemaligen KSK-Soldaten. Unsere Coaches kommen aus dem KSK, der Sportschule der Bundeswehr und Spezialeinheiten der Polizei. Du trainierst mit individuellem Trainingsplan per App, wöchentlichem Live-Call und einer starken Community, ortsunabhängig in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz.